Schizophrenie

 

Was kann man als Betroffener tun?

Die Diagnose Schizophrenie wirkt auf viele betroffene Erkrankte anfangs wie ein negatives Etikett, man fühlt sich als verrückt, abgestempelt, nicht für voll genommen und persönlich entwertet. Dies ist falsch! Schizophrene Menschen sind oft sensibler, feinfühliger, reizoffener und seelisch verletzbarer als andere robustere seelische Naturen.

Wenn ein Betroffener weiß, dass er vor allen Dingen in besonders belastenden Lebenssituationen, z.B. Prüfungsstress, Partnerschaftskrisen oder bei extremen beruflichen Anforderungen gefährdet ist, dann kann Vorsorge getroffen werden. Im Deutschen gibt es ein Sprichwort: "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt". Bei schizophren vulnerablen Menschen werden entsprechende Vorkehrungen getroffen, Belastungen wo immer möglich dosiert oder auch Entlastungen organisiert.

Ein schizophren vulnerabler Mensch weiß, dass zwiespältige Situationen besonders schwer aushaltbar sind. Wo immer möglich, sollte deshalb versucht werden, Eindeutigkeit herzustellen. Dies geschieht am besten dadurch, dass beizeiten nachgefragt wird, um nicht in eine Ecke von Misstrauen, Passivität und Abkapselung gedrängt zu werden.

Es ist besser, zweimal nachzufragen, als einmal übertrieben argwöhnisch zu reagieren. Neben solchen allgemeinen Verhaltensempfehlungen gibt es auch von Wissenschaftlern, Psychologen und Ärzten entwickelte Hilfen, die in Einzeltherapien oder Gruppenbehandlungen vermittelt werden.

Zum einen gibt es natürlich thematisch nicht vorgegebene, d.h. inhaltlich vom Betroffenen frei zu gestaltende Gesprächsangebote, die Therapeuten unterschiedlichster psychologischer Schulrichtungen machen. Im Grunde geht es darum, dass sich Betroffene frei äußern können zu ihren seelischen Nöten, zu ihren Auffassungen von sich, dem eigenen Verhalten, der Erkrankung und auch über die Reaktion der anderen.

Zum andern gibt es auch Behandlungsansätze, die thematisch insoweit vorbestimmt sind, als einzelne Behandlungsstunden sich zumindest im groben nach einer Art von Arbeitsbuch (Workbook oder Manual) richten. Ähnlich vorgegebenen Unterrichtsstunden der Schule vermitteln Fachleute Wissen über die Erkrankung (Psychoedukation) und trainieren Betroffene, mit einzelnen Aspekten der Erkrankung angemessener umzugehen.

So gibt es beispielsweise mehrere halb standardisierte Angebote, in denen schizophren gefährdete Menschen lernen, durch welche frühen Warnzeichen sich möglicherweise ein Rückfall (Rezidiv) in die Erkrankung ankündigt. Oft können dies eher alltägliche Verhaltensweisen oder psychische Befindlichkeiten sein. Man raucht mehr als sonst, ist hektischer oder schläft weniger als an anderen Tagen.

An sich kann dies harmlos sein. Bei schizophren gefährdeten Menschen können solche Veränderungen in Stimmung, Verhalten, Denken und Fühlen manchmal auf charakteristische Weise eine erneute Erkrankungsphase ankündigen.

Was kann ich als Angehöriger tun?

Das erste und wichtigste für Angehörige ist es, sich von Schuldgefühlen freizumachen. Schizophrenie ist eine schwere, belastende Erkrankung, für die Betroffenen selbst, für seine Familie, Freunde und Kollegen. Schizophrenie ist eine Krankheit. Für Krankheitein kann niemand etwas.

Wie bei körperlichen Erkrankungen auch ist es erst einmal wichtig, die richtige Diagnose zu stellen und Rat bei Fachleuten einzuholen. Dies ist in besonderer Weise wichtig bei der psychiatrischen Störung Schizophrenie. Der Rat von Fachleuten, wie ich mich verhalten soll, wird lauten: So normal und so eindeutig als möglich! Das heißt, man macht Verrücktheit nicht mit,  grenzt sich wo nötig von Fehlverhaltensweisen ab und bezieht wo möglich eindeutig Position.

Es sollte beispielsweise auch nichts hinter dem Rücken des Erkrankten unternommen werden, weil dies möglicherweise krankhaftes Misstrauen noch zusätzlich nährt. Auch wenn es schwer ist, sollte eindeutig Position bezogen werden. Es ist wichtig dem Erkrankten mitzuteilen, dass man ihn liebt und wertschätzt. Das heißt aber nicht, dass man seine krankheitsbedingt verzerrten Wahrnehmungen oder seine durch die Krankheit gestörten Fehlverhaltensweisen übernimmt. Behutsam und mit Takt sollte dem Erkrankten gegenüber die andere Sicht der Dinge angesprochen werden.

Besonders schädlich für den Verlauf schizophrener Erkrankung, d. h. geradezu Symptom produzierend ist es, wenn schizophren sensible Menschen in ein Familienmilieu kommen, das feindselig, kalt, entwertend und entmündigend ist. Doppelt schädlich ist dies, wenn derartig negative Gefühle auch noch verhüllt werden in einem Gewand von scheinbarer Freundlichkeit bei hintergründiger Aggressivität oder entmündigender Fürsorge für den "Kranken".

Am günstigsten scheint eine Haltung mittlerer Distanz zu sein. Man vermittelt dem schizophren gefährdeten Menschen und auch dem akut Erkrankten, dass man ihn wertschätzt, er sich auf seine Familie und Freunde verlassen kann. Dies heißt aber nicht, dass man alle seine möglicherweise durch die Erkrankung auch verzerrten Sichtweisen  und jegliche seiner, vielleicht auch durch die Erkrankung veranlassten, (Fehl-) Handlungen übernimmt.

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