Depression

Welche Tipps können unterstützend wirken?

Viele Patienten leiden darunter, dass sie ihren täglichen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Oft haben sie ein Morgentief und können sich gerade dann zu nichts aufraffen. Meistens wird das Stimmungstief gegen Nachmittag etwas besser. Sollte festgestellt werden, dass die Beschwerden morgens besonders schlimm und nachmittags erträglicher werden, sollten unaufschiebbare Dinge (Einkauf, Bankgeschäfte etc.) auf die Nachmittagsstunden verlegt werden.

Betroffene dürfen sich krank fühlen, weil sie krank sind. Es hat keinen Sinn, „sich zusammenzureißen”. Da Depression eine Krankheit ist, kann man sich auch entsprechend zurückziehen und bei Bedarf hinlegen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Patienten sollten sich nicht ständig für ihr Tun rechtfertigen müssen, und sich auch nicht zwingen, irgendwelche Dinge zu tun, die ihnen aktuell keinen Spaß machen. Das Treffen von Entscheidungen während der Krankheit sollte verschoben werden, wie beispielsweise Trennung vom Partner, Hausverkauf oder Arbeitsplatzwechsel. Die Entscheidung ist in diesem Moment depressiv „gefärbt”. Aufgrund der Einengung der Gedanken sind diese Entscheidungen negativ beeinflusst, und vielfach werden in diesem Zustand getroffene Entscheidungen später wieder bereut.

Das tägliche Pensum an Aktivitäten sollte im Laufe der Genesung gesteigert werden. Belohnungen für Geleistetes, beispielsweise sich selbst eine kleine Freude machen, angefangen vom Blumenstrauß bis hin zum Theaterbesuch oder Ähnliches, sollten dabei aber auch nicht vergessen werden.

Wie kann ich zu einer erfolgreichen Therapie beitragen?

Viele der mit Antidepressiva behandelten Patienten sprechen auf das zuerst verordnete Medikament bereits gut an. Die Heilung ist im Wesentlichen davon abhängig, inwieweit es dem Patienten gelingt, die eingeleiteten therapeutischen Maßnahmen konsequent einzuhalten. Beenden Sie bitte nie vorzeitig und eigenmächtig die Therapie, lassen Sie sich bitte nicht durch die Meinung anderer negativ beeinflussen, halten Sie sich immer wieder vor Augen: „Es geht mir gut, weil ich die Therapie fortführe.”

Was mache ich, wenn die Symptome erneut auftreten?

Warten Sie nicht zu lange ab, sollten wieder erste Anzeichen einer Depression bei Ihnen auftreten. Je früher gehandelt wird, desto milder ist der Verlauf und desto eher kann die erneute depressive Episode erfolgreich behandelt werden. Sollte bei Ihnen ein phasenhafter Verlauf vorliegen, gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Medikamenten (Lithium, Carbamazepin), die als sogenannte Stimmungsstabilisatoren bezeichnet werden. Regelmäßig eingenommen (über einen mehrjährigen Zeitraum) können diese Medikamente mit einer durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit von etwa 70 % das erneute Auftreten von depressiven Episoden sehr erfolgreich verhindern.

Wie können sich Angehörige stark machen?

Aus zahlreichen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten weiß man, dass diese häufig eben nicht nur an ihrer Erkrankung selbst, sondern oft auch am Unverständnis der nächsten Angehörigen leiden. Immer wieder fällt der Satz: „Würden Sie dies alles auch mal meinen Angehörigen erklären, die haben so wenig Verständnis für mich.”

Depressiv erkrankte Menschen sind nicht plötzlich „faul geworden” oder mürrisch oder gar undankbar, sie leiden an einer schweren, aber gut behandelbaren Erkrankung, die vielen äußerlich nicht anzusehen ist. Häufig wird erwähnt: „Ich würde mir lieber das Bein brechen, als noch einmal eine derartige Depression durchleiden zu müssen.” Beim Beinbruch wird man bedauert, bei der Depression missverstanden.

Angehörige sollten die Depression als eine schwere Erkrankung akzeptieren, die für einen gewissen Zeitraum dazu führt, dass sich die Betroffenen vorübergehend in ihrem Verhalten verändern. Aufgaben werden nicht mehr in der gewohnten Form erledigt und gerade jetzt haben sie besonders viel Zuspruch, Wärme und Anerkennung nötig. Ermahnende Worte wie „Kopf hoch, das wird schon wieder” oder „Reiß Dich zusammen” helfen mit Sicherheit nicht. Die Patienten leiden ohnehin sehr darunter, dass sie nicht mehr sie selbst sind. Angehörige sollten deshalb den Erkrankten entlasten, vorübergehend Aufgaben übernehmen und sie immer wieder motivieren, die Therapie durchzuhalten. Denn davon hängt der Erfolg entscheidend ab.

Durch Verständnis und  Zuneigung können Angehörige in erheblichem Maße dazu beitragen, die Depression überwinden zu helfen. Denn verständnisvolle Zuneigung entlastet den Patienten weitaus mehr als ermahnende Appelle, die den Kranken noch mehr in die Enge und Hilflosigkeit treiben.

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