Bipolar-I-Störung

Die Bipolar-I-Störung ist eine chronische, häufig syndromal und funktionell einschränkende psychiatrische Erkrankung, die durch wiederholte manische und depressive Episoden oder eine Mischung aus beiden gekennzeichnet ist.

Übersicht über die Bipolar-I-Störung

Die Bipolar-I-Störung ist eine Unterform der bipolaren Störung – einer schweren psychischen Erkrankung, die früher als manisch-depressive Psychose bezeichnet wurde. Sie ist durch Phasen mit veränderter Stimmung gekennzeichnet, die manisch, depressiv oder gemischt (d. h. schneller Wechsel und/oder gleichzeitiges Vorhandensein zwischen Manie und Depression) sein können. Die extremen Stimmungen haben häufig Probleme im Alltag zur Folge, können zwischenmenschliche Beziehungen ruinieren und können zu Selbstmordversuchen führen. Der ersten manischen Episode, die für die Diagnosestellung der Bipolar-I-Störung notwendig ist, gehen häufig eine oder mehrere depressive Episoden voraus.

Es wurde keine einzelne Ursache für die bipolare Störung gefunden, man nimmt aber an, dass u.a. biologische, psychologische und soziale Faktoren eine Rolle spielen.

Symptome

Menschen mit Bipolar-I-Störung können ungewöhnlich intensive Stimmungen haben, die jeweils über einen bestimmten Zeitraum anhalten, der als „Episode“ bezeichnet wird.

Ein übersteigert freudiger oder überdrehter Zustand kann einer manische Episode zugeordnet werden und geht mit einem erhöhten Energie- und Aktivitätsniveau einher. Dieser Zustand ist ein definierendes Merkmal für eine Bipolar-I-Störung.1 Symptome sind übersteigertes Selbstbewusstsein und Gedankenflucht, vermindertes Schlafbedürfnis, übermässiges Reden und eine Neigung zu impulsivem und leichtsinnigem Verhalten.

Die manischen Episoden können sich mit längerfristigen depressiven Episoden abwechseln, bei denen eine gedrückte Stimmung und ein vermindertes Energie- und Aktivitätsniveau vorherrschen. Darüber hinaus gibt es „gemischte“ Episoden, bei denen Manie und Depression am gleichen Tag oder innerhalb eines kurzen Zeitraumes auftreten und der Betroffene schnell innerhalb oder hintereinander zwischen den beiden Zuständen wechselt.

Epidemiologie

Weltweit leiden mehr als 30 Millionen Menschen an einer bipolaren Störung und die bipolare Störung gehört zu den 20 wichtigsten Ursachen für Invalidität.2 Bis zu 2 % der Europäer werden zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an einer bipolaren Störung leiden und etwa die Hälfte von ihnen wird eine Bipolar-I-Störung haben.3,4

Die Bipolar-I-Störung ist bei Männern und Frauen gleich häufig und betrifft Menschen aus allen sozialen Schichten und ethnischen Gruppen.3 Das Risiko für das Auftreten einer bipolaren Störung ist bei jungen Erwachsenen am höchsten und die Erkrankung beginnt in mindestens der Hälfte der Fälle vor dem 25. Lebensjahr.5

Menschen mit Bipolar-I-Störung haben ein besonders hohes Risiko für das parallele Auftreten anderer Erkrankungen (so genannte Komorbidität). Eine vor kurzem von der Weltgesundheitsorganisation durchgeführte Erhebung zur weltweiten psychischen Gesundheit, die „World Mental Health Survey Initiative“,3 ergab, dass zwei Drittel der Menschen mit bipolarer Störung auch eine Angststörung hatten und mehr als ein Drittel einen Substanzmissbrauch aufwies. Trotz der schwerwiegenden Folgen erhält weniger als die Hälfte der Betroffenen eine Behandlung für die bipolare Störung.

Diagnosestellung und Behandlung

Es gibt keine Heilung für die bipolare Störung Typ I, den meisten Betroffenen gelingt es aber mit einer wirksamen Behandlung, ihre Stimmungsschwankungen und die damit einhergehenden Beschwerden besser unter Kontrolle zu bringen.

Der Arzt stellt die Diagnose, indem er den Patienten bittet, das Muster seiner Beschwerden zu beschreiben. Eine Therapie für eine Bipolar-I-Störung sollte sowohl manische als auch depressive Episoden wirksam behandeln, und darüber hinaus auch gemischte Episoden und „Rapid Cycling“ mit schnellen Stimmungswechseln. Ebenso ist es wichtig, neuen Episoden (Rückfällen) vorzubeugen. Die Behandlung der Bipolar-I-Störung umfasst in der Regel die Anwendung von Arzneimitteln in Kombination mit psychosozialen Interventionen und gegebenenfalls einer Psychotherapie.

Die Bipolar-I-Störung ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung, bei der professionelle Hilfe äußerst wichtig ist.


Quellen
1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fourth Edition, Text Revision, DSM-IV-TR.Washington,DC: 2000.

2. World Health Organisation. The global burden of disease. 2004 update. www.who.int/healthinfo/global_burden_disease/2004_report_update/en/index.html

3. Merikangas KR, Jin R, He JP, et al. Prevalence and correlates of bipolar spectrum disorder in the world mental health survey initiative. Arch Gen Psychiatry 2011; 68 (3): 241–251.

4. Pini S, de Queiroz V, Pagnin D, et al. Prevalence and burden of bipolar disorders in European countries. Eur Neuropsychopharmacol 2005; 15 (4): 425–434.

5. Kessler RC, Berglund P, Demler O, et al. Lifetime prevalence and age-of-onset distributions of DSM-IV disorders in the National Co-morbidity Survey Replication. Arch Gen Psychiatry 2005; 62 (6): 593–602.

 

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