Schizophrenie

 

Schizophrenie – was ist das?

Schizophrenie ist eine Erkrankung, die wesentliche Bereiche des seelischen Lebens beeinträchtigt. Es können Menschen aus jeder sozialen Schicht, jeder Kultur und jeden Geschlechts betroffen sein.

Diese Krankheit beginnt oft im Teenager-Alter oder im frühen Erwachsenenalter. Obwohl es für die meisten Betroffenen eine chronische Krankheit ist, können viele Patienten ein ausge­fülltes und aktives Leben führen, dank moderner medizinischer Behandlungsmöglichkeiten, sowohl medikamentös als auch nicht-medikamentös.

Positive Symptome oder Plus-Symptome sind be­stimmte Ausdrucks-, Erlebnis- und Verhaltensweisen, die im „normalen“ Leben nicht vorkommen. Dazu gehören:

  • Wahn
  • Halluzinationen
  • Psychotische Ich-Erlebnis-Störungen
  • Denkstörungen
  • Verhaltensstörungen

Negative Symptome oder Minus-Symptome sind Beeinträchtigungen des Denkens, der Gemütslage, des Antriebs, der Kommunikations- und Kontakt­fähigkeit. Hierzu gehören:

  • Apathie
  • Abgestumpfte Gefühle
  • Sprachverarmung
  • Gesellschaftlicher Rückzug
  • Freudlosigkeit

Was sind die Ursachen für eine Schizophrenie?

Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen. Jede Nervenzelle überträgt und empfängt Nachrichten von anderen Nervenzellen. Wenn Schizophrenie das Gehirn beeinflusst, schlägt die Kommunikation zwischen diesen Zellen fehl.
Die Fähigkeit, klar zu denken, Entscheidungen zu treffen und das wahre Leben von der Phantasie zu unterscheiden, wird beeinträchtigt.Außerdem werden die gesellschaftliche Funktionalität und täglichen Routinen zur Herausforderung.

Die genauen Ursachen der Erkrankung kennt man noch immer nicht. Man nimmt an, dass es mehr als eine Ursache gibt. U. a. sind Botenstoffe im Gehirn im Ungleichgewicht. Diese Botenstoffe sind für die Informationsverarbeitung und -weiterleitung zwischen den Nervenzellen wichtig.

Bei Betroffenen finden sich Störungen im Bereich des Denkens, Wahrnehmens, Gefühlslebens, Verhaltens und Antriebs. Schizophreniepatienten sind zeitweise nicht in der Lage zwischen der Wirklichkeit und den eigenen Vorstellungen zu unterscheiden.

Schizophrenie kann Patienten ganz unterschiedlich betreffen. Manche erleben viele Symptome, andere nur wenige. Sie können unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
 

Helfen Medikamente?

Die Behandlung seelischer Störungen bzw. psychiatrischer Erkrankungen durch Medikamente ruft häufig Skepsis, Ablehnung und Unbehagen besonders beim Betroffenen hervor. Dies ist verständlich. Das Seelische ist noch mehr als das körperliche ein spezifisches Charakteristikum jedes einzelnen Menschen. Die Summe des Seelischen bildet unsere Persönlichkeit.

Es ist daher nahe liegend, dass wir  erst einmal sehr misstrauisch sind, wenn dies von außen beeinflusst werden soll. Nun ist es aber so, dass wir fühlen, denken und handeln über Funktionen unseres Gehirns, die eben auch durch Erkrankung, und eine solche stellt die Schizophrenie dar, gestört sein können. Medikamente gegen die Schizophrenie - Fachleute nennen sie Neuroleptika oder Antipsychotika - haben nicht Persönlichkeitsveränderung, auch nicht einfach Dämpfung oder Beruhigung zum Ziel. Es geht wesentlich spezieller darum, spezifische Veränderungen in der Biochemie des Gehirns schizophren erkrankter Menschen abzumildern, letztlich ein gestörtes biologisches System wieder annähernd zu normalisieren.

Die biochemischen Vorgänge unseres Gehirns sind allerdings so komplex und kompliziert wie unser Zentralnervensystem insgesamt. Wie andere Medikamente in der Medizin auch wirken leider Neuroleptika noch nicht punktgenau, und vor allem helfen sie nicht gleichermaßen bei jedem Menschen, weil es beispielsweise wie oben beschrieben auch unterschiedliche Typen der schizophrenen Erkrankung gibt. Auch braucht ihre Wirkung bzw. ihr Wirkeintritt Zeit.

Trotz dieser Einschränkungen ist auch in der medikamentösen Behandlung der Schizophrenie in den vergangenen Jahrzehnten mancher Behandlungsfortschritt erzielt worden, seit die ersten Neuroleptika vor rund 50 Jahren entdeckt wurden. Anfänglich waren die Medikamente noch mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet. Moderne Neuroleptika haben einige diese Nebenwirkung kaum noch. Da die typischen Nebenwirkungen der ersten Generation so nicht mehr vorhanden sind, spricht man bei der zweiten Generation der modernen Medikamente gegen Schizophrenie auch von atypischen Neuroleptika. Trotzdem gibt es bis heute kein Medikament völlig ohne Nebenwirkungen.

Zum Glück verfügen die Ärzte aber heutzutage über eine Vielfalt unterschiedlicher Neuroleptika, so dass es vor allen Dingen dann, wenn Betroffene gut mit ihren Ärzten zusammenarbeiten möglich ist, nach und nach die Medizin herauszufinden, die die beste Hauptwirkung gegen die Erkrankung und die die wenigsten Nebenwirkungen zeigt.

Wann und wie lange muss man Neuroleptika nehmen?

In der Akuttherapie gilt es vor allem, ein plötzlich aufgeflammtes Krankheitsbild durch die Medikamente einzudämmen. Die Akutbehandlung erfolgt meist mit Tabletten, gelegentlich mit Spritzen und Infusionen. Anfänglich geht es erst einmal darum, krankhafte Ängste zu mildern, seelische Anspannung zu lindern und übersteigerte Erregbarkeit zu beherrschen. Oft gelingt dies zum Glück innerhalb weniger Tage. Es dauert dann aber oft Wochen, akute (Plus-) Symptome, wie sie weiter oben beschrieben wurden, zu behandeln.

Ist die akute Krankheitsepisode abgeklungen, haben die Medikamente eine wichtige Funktion im Rückfallschutz. Der Fachmann spricht von Rezidivprophylaxe. Schizophrenien sind leider Rückfallerkrankungen. Der weitaus höhere Prozentsatz aller schizophren vulnerablen Menschen erkrankt innerhalb einiger Monate oder weniger Jahre erneut wieder, wenn auf einen solchen Rückfallschutz verzichtet wird.

Zum Rückfallschutz bedarf es einer Dauermedikation in Tablettenform oder auch in Form eines sogenannten Depots. Im letzten genannten Fall bekommen die Betroffenen im Abstand von einigen Wochen oder Monaten je nach Medikament eine Injektion.

Welche Behandlungsverfahren helfen bei Schizophrenie noch?

Leider nicht all zu viele. Am wirksamsten sind tatsächlich wie weiter oben beschrieben die medikamentöse Behandlung und entsprechende unterstützende und begleitende Verhaltenstherapien. Am wichtigsten ist es, dass sich Betroffene und Angehörige gut informieren und gemeinsam bzw. dann im Bündnis mit professionellen Helfern (Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern usw.) an einem Strang ziehen, um der Erkrankung möglichst wenige Chancen zu geben.

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