Depression

 

Wie entsteht eine Depression?

DIE Ursache der Depression gibt es nicht. Die moderne Medizin geht davon aus, dass eine Vielzahl von Umständen zur Entstehung einer Depression führen kann. Für eine exakte Diagnose ist eine möglichst genaue Beschreibung der Krankheitssymptome daher wichtig. Außer Frage steht, dass sowohl einschneidende Lebensereignisse als auch Persönlichkeitsfaktoren eine Depression auslösen können. Studien belegen, dass Erbfaktoren ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung einer Depression spielen können. Darüber hinaus weiß man mittlerweile, dass bestimmte Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, einen großen Einfluss auf die Entstehung einer Depression haben. Auch bestimmte Medikamente und körperliche Erkrankungen können eine Depression auslösen.

Was sind typische Symptome einer Depression?

Eine Depression zeigt zahlreiche körperliche und psychische Symptome. Die Diagnose ist häufig schwer zu stellen, und es fällt den Patienten oft nicht leicht zu verstehen, dass hinter vielen körperlichen Beschwerden in Wahrheit eine Depression steckt. Dieses Krankheitsbild wird als larvierte Depression bezeichnet, wenn vor allem folgende körperliche Beschwerden das Krankheitsbild beherrschen:

  • gestörter Schlaf
  • Engegefühl in Hals und Brust
  • Appetitstörungen
  • Gewichtsverlust
  • Verstopfung
  • Kopfschmerzen
  • Schmerzen in der Hals- oder Lendenwirbelsäule
  • Magen-Darm-BeschwerdenHerzbeschwerden

Der Hausarzt wird Untersuchungen vornehmen. Sollte sich eine organische Ursache finden, wird diese natürlich behandelt. Häufig fällt es Betroffenen schwer, hinter den körperlichen Beschwerden eine Depression zu akzeptieren, und zu glauben, dass bei erfolgreicher Therapie der Depression diese körperlichen Beschwerden wieder verschwinden sollen. Entscheidend für den Erfolg ist also, zu akzeptieren, dass dahinter eine Depression stecken kann.

Neben diesen körperlichen Beschwerden entwickeln sich im Laufe der Erkrankung auch seelische Symptome. Der Patient wird in zunehmendem Maße freudloser, es entwickelt sich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, die Angst nimmt zu, nie wieder gesund zu werden. Man kann sich über nichts mehr freuen, und bisweilen haben manche auch das Gefühl, innerlich tot oder wie abgestorben zu sein.
 

Kognitive Dysfunktion bei Depressionspatienten

Während depressiver Episoden leiden Patienten in 94 % der Zeit an kognitiven Dysfunktionen. Damit zählt die kognitive Dysfunktion zusammen mit Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen zu den am häufigsten genannten Symptomen depressiver Patienten. Neben der depressiven Stimmung wird so der private und berufliche Alltag durch verminderte Konzentration, mangelnde Aufmerksamkeit und Entscheidungsunfähigkeit zur Herausforderung. 

Symptomatik auch in Remission

Nicht immer müssen Begleiterscheinungen wie Konzentrationsverlust oder mangelnde Aufmerksamkeit im Rahmen einer Major Depression auftreten. Studien fanden jedoch heraus, dass sich während einer depressiven Episode eine generelle kognitive Verlangsamung belegen lässt. Exekutivfunktionen wie das Planen von Aktivitäten oder das Festlegen neuer Ziele fallen schwerer und frustrieren zusätzlich. Gerade für berufstätige Patienten wird es dadurch schwer, in der heutigen Hochleistungsgesellschaft mitzuhalten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die kognitive Funktion häufig auch in Remission nicht oder nur verzögert auf das prämorbide Niveau ansteigt.

 

Was ist mit Suizidalität?

Dass es sich bei dem Krankheitsbild der Depression um eine sehr schwerwiegende Erkrankung handelt, sieht man daran, dass sich leider immer noch etwa 15 % der Erkrankten das Leben nehmen, 20 bis 40 % einen Selbstmordversuch begehen und bis zu 80 % der Patienten im Rahmen ihrer Erkrankung zumindest daran denken, sich das Leben zu nehmen.
Wichtig ist, dass die Patienten den Mut haben, darüber offen mit ihrem Arzt, aber auch mit ihren Familienangehörigen zu sprechen. Trotz der Schwere der Erkrankung zählt die Depression zu den gut behandelbaren Erkrankungen.

Welche medikamentösen Therapien gibt es?

Seit 1957 gibt es Medikamente zur Behandlung der Depression, sogenannte Antidepressiva. Diese beeinflussen im Gehirn unter anderem den Stoffwechsel bestimmter Botenstoffe und entfalten so ihre antidepressive Wirkung. Es gibt in dieser Gruppe Medikamente, die neben ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung eher dämpfend und andere, die aktivierend wirken. Einige wiederum sind antriebsneutral. Es ist daher wichtig, dass sowohl die Patienten als auch die behandelnden Ärzte wissen, welche Beschwerden vorliegen, um das geeignete  Antidepressivum auszuwählen. Die Symptome sollten möglichst genau beschrieben werden.

Grundsätzlich sollte man über Antidepressiva wissen, dass sie alle eine stimmungsaufhellende Wirkung haben. Von entscheidender Bedeutung ist, dass die Wirkung nicht sofort eintritt, sondern erst nach einer, zwei oder gar sechs Wochen. Es ist für Patienten oft schwer verständlich, dass sie tagelang ein Medikament einnehmen sollen, ohne eine Besserung zu spüren. Man sollte nicht ungeduldig werden und das verordnete Medikament keinesfalls vorzeitig und eigenmächtig absetzen.

Antidepressiva machen nicht süchtig. Gleichwohl gibt es eine Reihe von Medikamenten, die bei abruptem Absetzen sogenannte Absetzphänomene (innere Unruhe, Übelkeit, Schweißneigung, Kopfschmerzen) verursachen. Deshalb müssen Antidepressiva immer ausschleichend (allmähliche Dosisreduktion über Wochen) abgesetzt werden. Die Dosis, die zu einer Rückbildung der Beschwerden geführt hat, sollte mindestens für weitere sechs Monate fortgeführt werden, bevor mit einer Dosisreduktion begonnen werden darf. Viele Patienten denken, alle Medikamente sofort absetzen zu können, sobald eine Besserung eingetreten ist. Dies führt leider oft zu erneuten Rückfällen, mit der Folge einer weiteren Verlängerung der Leidenszeit.

Natürlich haben auch Antidepressiva Nebenwirkungen. Leider treten diese meist zu Beginn der Behandlung auf und fördern deshalb nicht gerade die Bereitschaft, das Medikament weiter zu nehmen. Die sogenannten klassischen bzw. im Fachjargon als trizyklisch bezeichneten Antidepressiva führen häufig im Verlauf der Behandlung zu Gewichtszunahme und zu lästiger, aber harmloser Mundtrockenheit. Diese haben darüber hinaus auch häufig einen müde machenden Effekt, weshalb die Einnahme bevorzugt am Abend erfolgen sollte. Eine erst in den letzten Jahren entwickelte Gruppe von Antidepressiva, die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), machen nicht müde. Der behandelnde Arzt kann je nach Situation des Patienten entscheiden, welches Medikament das Geeignete ist.

Typische Nebenwirkungen dieser Medikamente sind eine zu Beginn der Behandlung einsetzende morgendliche Übelkeit, eine vorübergehende innere Unruhe und sehr selten das Auftreten von Kopfschmerzen. Gleichwohl führen diese neueren Antidepressiva zu keiner Gewichtszunahme und werden in aller Regel von den Patienten auch sehr gut vertragen.

Welche nicht-medikamentösen Therapien gibt es?

Zu Beginn der Behandlung steht hier an erster Stelle die so genannte begleitende Psychotherapie, also das stützende, wohlmeinende, erklärende Gespräch, die Vermittlung von Zuneigung und Verständnis.

Haben nachvollziehbare, schwerwiegende Lebensereignisse wie beispielsweise Berentung, Scheidung oder Verlust einer Bezugsperson eine Depression mit ausgelöst, sind bestimmte Psychotherapieverfahren anwendbar. Die kognitive Verhaltenstherapie zeigt dem Patienten Wege aus seiner depressiven Sichtweise. Patienten sollen von unrealistischen Erwartungen Abschied nehmen und die Fähigkeit zur Bewältigung von Lebensproblemen aufbauen, die während der Erkrankung als unüberwindbar erlebt werden.

Die interpersonelle Psychotherapie beruht darauf, die Beziehungsstrukturen des Patienten zu analysieren, um ihm andere, weniger stressfördernde Handlungsstrategien aufzuzeigen.

Bei der sogenannten saisonal abhängigen Depression, der „Winterdepression”, ist die Verwendung einer sogenannten Lichttherapie Erfolg versprechend.

 

Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen

In Zeiten der Globalisierung entwickelt sich die Arbeitswelt immer rasanter. Die Anforderungen an den Arbeitnehmer steigen. Komplexität, Termindruck und Intensität prägen den Arbeitsalltag. 65 % aller Angestellten klagen über starken Termin- und Leistungsdruck. Menschen mit Kognitionsproblemen im Rahmen der Depression können diese Herausforderungen oft nur schwer meistern. Konzentrationsschwierigkeiten und Entscheidungsunfähigkeit führen im schlimmsten Fall zu einer deutlichen Minderung des Leistungsvermögens bis hin zum Arbeitsausfall. Insgesamt sind inzwischen 14,6 % aller Arbeitsunfähigkeitstage auf psychische Erkrankungen zurückzuführen – im Vergleich zu den Vorjahren mit einem Anstieg auf 212,8 Arbeitsunfähigkeitstage. 

Anforderungen an die Depressionstherapie

Depressionspatienten erhoffen sich von der Therapie ein schnelles Ansprechen und die Verbesserung der kognitiven Funktionsfähigkeiten. Ein Pilotprojekt des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigt, dass Ärzte jedoch primär die Remission und die Vermeidung von Rückfällen bei der Depressionstherapie mit Antidepressiva verfolgen. Neben einer erfolgreichen Remission und Verhinderung von Rückfällen sollte das erklärte Ziel einer modernen Depressionstherapie aber auch die Berücksichtigung kognitiver Funktionen sein. Antidepressiva der neuen Generation müssen daher nicht nur eine gute und anhaltende antidepressive Wirkung erzielen, sondern auch direkte Wirkung auf die kognitive Dysfunktion haben.          

  • DAK-Gesundheitsreport 2014: Rushhour des Lebens ohne Krankenschein
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Arbeitspapier: Analytic Hierarchy Process (AHP) – Pilotprojekt zur Erhebung von Patientenpräferenzen in der Indikation Depression. 2013; GA10-01, Version 1.0
  • Conradi HJ et al. Psychol Med, 2011
  • Fava M et al J Clin Psychiatry, 2006
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