Angststörungen

Was kann man als Betroffener tun?

Angst ist eine Schutzfunktion. Sie bewahrt vor Schaden und macht vorsichtig. Während in der Kindheit Angst und Ratio noch weit voneinander entfernt sind, verringert sich diese Kluft mit dem Erwachsenwerden. Bessere intellektuelle Fähigkeiten, ein stark ausgebauter Erfahrungsschatz, eine gestärkte Persönlichkeit und andere Faktoren bewirken ein Unterscheidungsvermögen von tatsächlichen und unbegründbaren Gefahren.

Angst ist häufig mit Depression verbunden. Wenn diese Zustände anhalten, immer wiederkehren oder grundlos auftreten, sollte fachliche Hilfe in Form eines Therapeuten in Anspruch genommen werden. Der Therapeut lehrt dem Angst-Patienten Entspannungsübungen und empfiehlt gegebenenfalls benötigte Medikamente. In einem gemeinsamen Gespräch versucht der Therapeut die psychischen Ursachen zu ergründen, Konflikte zu lösen und animiert den Patienten, Lösungsstrategien für sich zu finden.

10 Goldene Regeln zur Angstbewältigung:

1. Angstgefühle und die dabei auftretenden körperlichen Symptome sind nichts anderes als eine Übersteigerung der normalen Körperreaktion in einer Stress-Situation.

2. Solche Gefühle und Körperreaktionen sind zwar unangenehm, aber weder gefährlich, noch in irgendeiner Weise schädlich. Nichts Schlimmes wird geschehen.

3. Angst-Patienten sollten sich nicht in Angstsituationen durch Gedanken wie „Was wird geschehen?“ und „Wohin kann das führen?“ in noch größere Ängste hineinsteigern.

4. Betroffene sollen sich nur auf das konzentrieren, was um sie herum und mit ihrem Körper geschieht – nicht auf das, was in ihrer Vorstellung noch alles geschehen könnte.

5. Die Angst sollte nicht bekämpft, sondern akzeptiert werden. Es ist ratsam abzuwarten und der Angst Zeit zu geben, vorüberzugehen.

6. Betroffene sollten beobachten, wie die Angst von selbst wieder abnimmt, wenn sie aufhören, sich in ihre Gedanken („Angst vor der Angst“) weiter hineinzusteigern.

7. Beim Üben kommt es nur darauf an zu lernen, mit der Angst umzugehen – nicht sie zu vermeiden. Nur so gibt man sich die Chance, Fortschritte zu machen.

8. Es ist wichtig, dass sich Menschen mit Angststörungen innere Ziele vor Augen halten und beobachten, welche Fortschritte sie schon – trotz aller Schwierigkeiten – gemacht haben. Sie sollten daran denken wie zufrieden sie sein werden, wenn sie auch dieses Mal Erfolg haben.

9. Wenn man sich besser fühlt, sollte man sich umschauen und den nächsten Schritt planen.

10. Wenn man sich in der Lage fühlt, weiterzumachen, dann sollte man versuchen, ruhig und gelassen in die nächste Übung zu gehen.

(aus Wittchen et al., Angst, Angsterkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten. Harger: Freiburg-Basel, 1995)

Was kann man als Angehöriger tun?

Viele Angehörige fragen sich, wie sie einem Betroffenen helfen können.
Ein häufiges Beispiel: Eine Patientin mit einer Agoraphobie (Angst vor Menschenmengen, öffentlichen Plätzen, Reisen mit weiter Entfernung, also Situationen in denen bei Auftreten von Panikattacken Flucht schwer möglich wäre oder keine Hilfe verfügbar wäre) bittet ihren Mann, sie ständig zu begleiten, wenn sie zum Einkaufen, zum Arzt, auf eine Behörde usw. geht. Dadurch wird sie immer unselbstständiger. Der Psychotherapeut hingehen hat ihr geraten, diese Orte alleine - ohne Begleitung -  aufzusuchen. Der Ehemann fragt sich nun, was er tun soll:

  • soll er es ablehnen, sie zu begleiten, auf die Gefahr hin, dass es zum Streit kommt?
  • oder soll er sie begleiten, auf die Gefahr hin, die Behandlung des Psychotherapeuten zu unterlaufen?

Die Lösung sollte immer gemeinsam mit dem Betroffen sowie dem Psychotherapeuten besprochen werden. Und in der Regel ist es immer besser, mit dem Psychotherapeuten an einem Strang zu ziehen.

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