Alkoholabhängigkeit

Die Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es zu Alkohol-bedingten Störungen von Gehirnstruktur, neurochemischen Prozessen und Verhalten kommt.

Übersicht über die Alkoholabhängigkeit

Die Alkoholabhängigkeit ist eine medizinische Erkrankung und Verhaltensstörung mit einem hohen Risiko für einen chronischen, rezidivierenden und progredienten Verlauf.1 Ausgedehnte Forschung in den letzten 20 Jahren lieferte neue Erkenntnisse und führte dazu, dass die Alkoholabhängigkeit heute nicht mehr als Charakterschwäche, sondern als Erkrankung anerkannt ist, die behandelt werden kann und sollte.2

Alkohol ist toxisch für die meisten Organe des Körpers. Das Ausmaß des Konsums korreliert eng mit dem Risiko für langfristige Morbidität und Mortalität.3 Alkohol ist an mehr als 60 Krankheits- und Verletzungsarten ursächlich beteiligt.4 Exzessiver Alkoholkonsum verursacht darüber hinaus hohe Kosten für die Gesellschaft durch Gewalt, Produktivitätsverlust und Gesundheitsausgaben.4

 

Beim Beginn des Alkoholkonsums spielen genetische Faktoren und Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Die Familie, der Freundeskreis und die Gesellschaft bestimmen das Ausmaß der Exposition mit Stress und Alkohol. Es gibt eine genetische Prädisposition für die Anfälligkeit, die Kontrolle über den Alkoholkonsum zu verlieren. Das Krankheitsrisiko ist zu schätzungsweise 60% durch genetische Faktoren bestimmt.5,6 Das Risiko für Alkoholabhängigkeit steigt mit dem Alkoholkonsum an.7 Schätzungen zufolge sind 20 bis 50% der Fälle von Leberzirrhose, Epilepsie, Vergiftungen, Verkehrsunfällen, Gewalttaten und verschiedenen Krebsarten auf Alkoholkonsum zurückzuführen.4

 

Symptome

Ein zentrales Merkmal der Alkoholabhängigkeit ist das häufig übermächtige Verlangen nach Alkohol. Die Patienten haben Probleme, den Alkoholkonsum unter Kontrolle zu halten und nehmen trotz schädlicher Folgen weiter Alkohol zu sich.8 Häufig treten bei Abstinenz vom Trinken Entzugssymptome wie Übelkeit, Schwitzen und Zittern auf.9

 

Statistik

Exzessiver Alkoholkonsum ist in vielen Teilen der Welt häufig, insbesondere in Europa.4 Alkoholabhängigkeit ist eine der häufigsten psychischen Störungen in Europa.10 In einem gegebenen Jahr sind jeweils mehr als 14 Millionen EU-Bürger alkoholabhängig.10

Die durch Alkoholabhängigkeit verursachten Gesamtkosten wurden für Europa auf 58 Milliarden Euro geschätzt.11

In Europa beträgt die Diagnoserate für Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit 15%,12 und nur sehr wenige dieser Patienten erhalten eine Behandlung. Die mediane Behandlungslücke für Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit beträgt in Europa 92%, was bedeutet, dass nur 8% der Betroffenen behandelt werden.13

 

Diagnosestellung und Behandlung

Personen, die glauben, alkoholabhängig zu sein, können bei ihrem Arzt Hilfe erhalten. Bei der Diagnosestellung spielen biologische Parameter sowie Verhaltensparameter und soziale Faktoren eine Rolle14. Auch Angaben von Angehörigen, Freunden und Arbeitskollegen können wichtige Hinweise für die Diagnosestellung liefern.

Die Behandlung der Alkoholabhängigkeit besteht aus Verhaltenstherapie, die in der Regel parallel zu einer medikamentösen Therapie erfolgt.2 Ein umfassender Behandlungsansatz für Patienten mit Alkoholabhängigkeit kann sowohl Abstinenz- als auch Reduktions-Ziele umfassen.15,16 Darüber hinaus ist auch die Unterstützung durch nahestehende Personen sehr wichtig.

Alle Behandlungsformen für Alkoholabhängigkeit sollten nur auf professionellen ärztlichen Rat erfolgen.

 

Quellen

1. WHO, ASAM website 2012

2. Gunzerath L, Hewitt BG, Li TK, Warren KR. Alcohol research: past, present, and future. Ann N Y Acad Sci 2011; 1216: 1–23.

3. Rehm et al. Eur Addict Res 2003;9:147-156

4. WHO. Global status report on alcohol  and health, 2011

5. Vengeliene et al. Br J Pharmacol 2008; 154(2):299-315

6. Schukit. Ch. 98. In: Davis et al (eds). Neuropsychopharmacology: The Fifth Generation of Progress. 2002

7. Dawson & Archer. Addiction 1993;88: 1509-1518

8. WHO, ICD-10, F10-19

9. MayoClinic.com. Alcoholism. May 2010. http://www.mayoclinic.com/health/alcoholism/DS00340/DSECTION=symptoms.

10. Wittchen et al. Eur Neuropsychopharmacol 2011;21(9):655-679

11. Gustavsson et al. Eur Neuropsychopharmacol 2011;21(10):718-779

12. Mukherjee & Sosa. Special report. Alcohol Addiction, Decision Resources, 2010

13. Kohn et al. Bull World Health Organ 2004;82(11):858-866

14. American Psychiatric Association (APA). Diagnosis and Statistical Manual of Mental Disorders. Fourth Edition. Text Revision. DSM-IV-TRTM. 2000 American Psychiatric Association

15. EMA. Guideline on the development of medicinal products, 2012

16. NICE. Clinical guideline 115, 2011

 

 

Cookie Policy
Sie verlassen jetzt die lundbeck.de Seite.