Bipolare Störung Typ I

Die bipolare Störung Typ I ist eine chronische (langfristige) und invalidisierende psychiatrische Erkrankung, die durch wiederholte manische und depressive Episoden oder eine Mischung aus beiden gekennzeichnet ist.

Jakob Tranberg aus Dänemark, Bipolare Störung Typ I
Jakob Tranberg aus Dänemark, Bipolare Störung Typ I

Übersicht über die bipolare Störung Typ I
Die bipolare Störung Typ I ist eine Unterform der bipolaren Störung – einer schweren psychischen Erkrankung, die früher als manisch-depressive Psychose bezeichnet wurde. Sie ist durch Phasen mit veränderter Stimmung gekennzeichnet, die manisch, depressiv oder gemischt (d. h. schneller Wechsel zwischen Manie und Depression) sein können. Die extremen Stimmungen haben häufig Probleme im Alltag zur Folge, können zwischenmenschliche Beziehungen beeinträchtigen und zu Suizidversuchen führen. Der ersten manischen Episode, die für die Diagnosestellung der bipolaren Störung Typ I notwendig ist, gehen häufig eine oder mehrere depressive Episoden voraus.

Es wurde keine einzelne Ursache für die bipolare Störung gefunden, man nimmt aber an, dass biologische, psychologische und soziale Faktoren eine Rolle spielen und zu chemischen Veränderungen im Gehirn führen.


Symptome
Menschen mit bipolarer Störung Typ I können ungewöhnlich intensive Stimmungen haben, die jeweils über einen bestimmten Zeitraum anhalten, die als „Episode“ bezeichnet wird.

Ein übersteigert freudiger oder überdrehter Zustand wird als manische Episode bezeichnet und geht mit einem erhöhten Energie- und Aktivitätsniveau einher. Dieser Zustand ist ein definierendes Merkmal für eine bipolare Störung Typ I.1 Symptome sind übersteigertes Selbstbewusstsein und Gedankenflucht, vermindertes Schlafbedürfnis, übermässiges Reden und eine Neigung zu impulsivem und leichtsinnigem Verhalten.

Die manischen Episoden können sich mit längerfristigen depressiven Episoden abwechseln, bei denen eine gedrückte Stimmung und ein vermindertes Energie- und Aktivitätsniveau vorherrschen. Darüber hinaus gibt es „gemischte“ Episoden, bei denen Manie und Depression am gleichen Tag auftreten und der Betroffene schnell zwischen den beiden Zuständen wechselt.


Statistik
Weltweit leiden mehr als 30 Millionen Menschen an einer bipolaren Störung. Die bipolare Störung gehört zu den 20 wichtigsten Ursachen für Invalidität.2 Bis zu 2 % der Europäer werden zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben an einer bipolaren Störung leiden und etwa die Hälfte von ihnen wird eine bipolare Störung Typ I haben.3,4

Die bipolare Störung Typ I ist bei Männern und Frauen gleich häufig und betrifft Menschen aus allen sozialen Schichten und ethnischen Gruppen.3 Das Risiko für das Auftreten einer bipolaren Störung ist bei jungen Erwachsenen am höchsten und die Erkrankung beginnt in mindestens der Hälfte der Fälle vor dem 25. Lebensjahr.5

Menschen mit bipolarer Störung Typ I haben ein besonders hohes Risiko für das parallele Auftreten anderer Erkrankungen (so genannte Komorbidität). Eine von der Weltgesundheitsorganisation durchgeführte Erhebung zur weltweiten psychischen Gesundheit, die „World Mental Health Survey Initiative“,3 ergab, dass zwei Drittel der Menschen mit bipolarer Störung auch eine Angststörung hatten und mehr als ein Drittel einen Substanzmissbrauch aufwies. Trotz der schwerwiegenden Folgen erhält weniger als die Hälfte der Betroffenen eine Behandlung für die bipolare Störung.3


Diagnosestellung und Behandlung
Es gibt keine Heilung für die bipolare Störung Typ I. Den meisten Betroffenen gelingt es aber mit einer wirksamen Behandlung, ihre Stimmungsschwankungen und die damit einhergehenden Beschwerden besser unter Kontrolle zu bringen.

Der Arzt stellt die Diagnose, indem er den Patienten bittet, das Muster seiner Beschwerden zu beschreiben. Eine Therapie für eine bipolare Störung Typ I muss sowohl manische als auch depressive Episoden wirksam behandeln, und darüber hinaus auch gemischte Episoden und „Rapid Cycling“ mit schnellen Stimmungswechseln. Ebenso ist es wichtig, neuen Episoden (Rückfällen) vorzubeugen. Die Behandlung der bipolaren Störung Typ I umfasst in der Regel die Anwendung von Arzneimitteln in Kombination mit psychosozialen Interventionen wie zum Beispiel einer „kognitiven Therapie“.

Die bipolare Störung Typ I ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, bei der professionelle Hilfe äusserst wichtig ist.


Quellen
1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fourth Edition, Text Revision, DSM-IV-TR.Washington,DC: 2000.

2. World Health Organisation. The global burden of disease. 2004 update. www.who.int/healthinfo/global_burden_disease/2004_report_update/en/index.html. Accessed 06/09/11.

3. Merikangas KR, Jin R, He JP, et al. Prevalence and correlates of bipolar spectrum disorder in the world mental health survey initiative. Arch Gen Psychiatry 2011; 68 (3): 241–251.

4. Pini S, de Queiroz V, Pagnin D, et al. Prevalence and burden of bipolar disorders in European countries. Eur Neuropsychopharmacol 2005; 15 (4): 425–434.

5. Kessler RC, Berglund P, Demler O, et al. Lifetime prevalence and age-of-onset distributions of DSM-IV disorders in the National Co-morbidity Survey Replication. Arch Gen Psychiatry 2005; 62 (6): 593–602.

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